

Mit 14 war ich richtig verknallt. Thomas aus meiner Klasse war für mich der tollste Junge. Wir hielten Händchen und sagten, dass wir, wenn wir groß sind in der kleinen Kirche in Simbach am Inn heiraten. Doch meine Eltern hatten andere Pläne. Sie verheirateten mich mit Gustav. Er war damals 31 Jahre alt.
Diese Geschichte klingt unvorstellbar. Ein 14-jähriges Mädchen, das mit einem 31-jährigen Mann verheiratet wird. Doch in vielen ländlichen Regionen Bangladeschs ist dies die unbegreifliche Realität.
Es zu verhindern ist Teil meiner Arbeit.
Hallo, ich bin Verena Demmelbauer und habe in den vergangenen drei Jahren unser Projekt „Verhinderung von Kinderheirat in Bangladesch mit einem Community-basierten Ansatz“ betreut. Finanziell unterstützt durch Das Hunger Projekt Deutschland und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben wir gemeinsam mit unserem Partner The Hunger Project Bangladesh das Ziel gesetzt, junge Mädchen und ihr Umfeld zu stärken, um Kinderehen zu verhindern.
Von 2022 bis 2025 hat The Hunger Project Bangladesh in 56 Sekundarschulen und zahlreichen Dorfgemeinschaften Präventionsmaßnahmen durchgeführt. in den Distrikten Barishal und Tangail nahmen 2.241 Schüler*innen nahmen an Schulungen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, zu den Folgen von Kinderheirat und zu bestehenden Schutzgesetzen und ihren Rechten teil. Für 1.350 Jungen gab es zusätzliche Formate, die zeigten, wie Kinderheirat, Belästigung, digitale Gewalt und gesellschaftlicher Druck zusammenhängen. Und welche Verantwortung die Jungen selbst übernehmen können.
Nachdem unser Projekt abgeschlossen war, verfügten 80 Prozent der Mädchen in den Projektregionen über umfassendes Wissen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und den Folgen von Kinderheirat. 1.100 geschulte Mädchen wurden zu Vertrauenspersonen für Betroffene. Zu Beginn unseres Projekts wandten sich nur 7 Prozent der Mädchen in den Projektregionen an eine Vertrauensperson, wenn Regeln oder Gesetze nicht eingehalten wurden. Am Ende des Projektes waren es 83 Prozent.
Im Mai 2025 reiste ich, Verena Demmelbauer, im Rahmen der Projektbetreuung nach Bangladesch. In Barishal traf ich Mädchen, die ihre eigene Heirat verhindern konnten. Diese Treffen verdeutlichten mir noch einmal, wie wichtig unsere Arbeit für diese Mädchen ist. Ein Mädchen erzählte mir, dass es durch Schulworkshops erstmals verstand, welche Folgen eine frühe Heirat für ihre Gesundheit, Bildung und Selbstbestimmung hat. Als ihre Familie eine Heirat vorbereitete, suchte sie Unterstützung bei einer Lehrerin, die durch unser Projekt darin geschult war, Kinderehen zu verhindern. Sie sprach im Anschluss mit den Eltern und die Heirat wurde abgesagt. Heute geht das Mädchen weiter zur Schule und möchte Ärztin werden. Im gesamten Projektzeitraum konnten 269 Kinderheiraten von 574 gemeldeten Fällen verhindert werden.
Die 56 beteiligten Schulen wurden zu zentralen Orten des Wandels. In jeder Schule entstanden School Youth Units, Jugendgruppen, in denen sich Schüler*innen organisieren, austauschen und Maßnahmen für sichere Schulen planen. Sie führen Aufklärungssitzungen und Kampagnen durch und setzen sich für Menstruationsprodukte an Schulen ein.
Ein besonders wirksames Instrument waren sogenannte „Risk Maps“. Schüler*innen zeichneten Karten ihrer Schulwege und markierten Orte, an denen Mädchen sich unsicher fühlen. Daraus entstanden konkrete Aktionspläne: Gespräche mit Lehrkräften, Eltern und lokalen Autoritäten, Informationsschilder, sicherere Wege und stärkere Aufmerksamkeit für Schulabbrüche.
Auch die Lernumgebung hat sich verändert. In 53 Schulen wurden Menstruationsprodukte bereitgestellt. Mädchen beteiligten sich stärker an Sport und außerschulischen Aktivitäten. In Tangail wurde erstmals ein Mädchen-Fußballturnier durchgeführt. 60 Lehrkräfte wurden zu Kinderrechten, Gesundheit und Kinderheirat geschult. Danach konnten sie Schüler*innen besser begleiten, Eltern beraten und in kritischen Fällen vermitteln.
Nicht alle Mädchen und junge Frauen besuchen eine Schule. Um auch sie zu erreichen, spielen Women Leaders eine zentrale Rolle. Women Leaders sind Frauen aus den Projektgemeinden, die als Vertrauenspersonen, Vermittlerinnen und treibende Kräfte für sozialen Wandel wirken. 58 Women Leaders führen Treffen durch, bei denen sich Mädchen, junge Mütter, Eltern und Gemeindemitglieder miteinander austauschen. Im Projektverlauf fanden über 4.000 solcher Treffen statt. Sie erreichten 68.731 Teilnehmende. Der Großteil davon, fast 50.000, waren Frauen und Mädchen.
Auch wirtschaftliche Stärkung wurde ein wichtiger Schutzfaktor. 956 junge Frauen nahmen an praktischen Trainings teil, etwa in Schneiderei, Gemüseanbau, Tierhaltung oder Handwerk. 240 Teilnehmende setzten anschließend eigene Aktivitäten um. Außerdem entstanden 203 Selbsthilfegruppen mit 4.258 Mitgliedern. Sie nutzen gemeinsame Mittel für kleine Geschäftstätigkeiten, gegenseitige Unterstützung und Investitionen in Bildung.
Ein weiterer Schlüssel waren die Village Development Teams. Diese lokalen Teams bestehen aus Frauen und Männern, religiösen Akteur*innen, Lehrkräften und lokalen Führungspersonen. Sie identifizieren gefährdete Mädchen, sprechen mit Eltern, entwickeln Aktionspläne und koordinieren Unterstützung. Im Projektverlauf fanden 1.590 Treffen dieser Teams mit 25.161 Teilnehmenden statt.






Die Zahlen zeigen Wirkung. Noch wirkungsvoller und eindrücklicher waren für mich die Stimmen der Menschen vor Ort: Mädchen, die ihre eigene Heirat verhindern. Jungen, die sich für sichere Schulwege und gegen Belästigung einsetzen. Lehrkräfte, die Mädchen und ihre Eltern dabei unterstützen Kinderheirat zu verhindern.
Kinderheirat lässt sich dort verhindern, wo Wissen, Mut, soziale Unterstützung und handlungsfähige Strukturen zusammenkommen. Genau das hat dieses Projekt aufgebaut.
Und jetzt, nach Projektende bleibt für mich das Wissen, dass unsere Arbeit nicht nur etwas bewirkt, aber langfristige positive Veränderungen anstößt. Und daher freue ich mich auf die Fortführung und 2. Phase dieses Projektes in Bangladesch, das am 1. Mai 2026 gestartet ist, um den Kampf gegen Kinderheirat weiter auszuweiten auf andere Bezirke.
Herzliche Grüße
Verena

Mit 14 war ich richtig verknallt. Thomas aus meiner Klasse war für mich der tollste Junge. Wir hielten Händchen und sagten, dass wir, wenn wir groß sind in der kleinen Kirche in Simbach am Inn heiraten. Doch meine Eltern hatten andere Pläne. Sie verheirateten mich mit Gustav. Er war damals 31 Jahre alt.
Diese Geschichte klingt unvorstellbar. Ein 14-jähriges Mädchen, das mit einem 31-jährigen Mann verheiratet wird. Doch in vielen ländlichen Regionen Bangladeschs ist dies die unbegreifliche Realität.
Es zu verhindern ist Teil meiner Arbeit.
Hallo, ich bin Verena Demmelbauer und habe in den vergangenen drei Jahren unser Projekt „Verhinderung von Kinderheirat in Bangladesch mit einem Community-basierten Ansatz“ betreut. Finanziell unterstützt durch Das Hunger Projekt Deutschland und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben wir gemeinsam mit unserem Partner The Hunger Project Bangladesh das Ziel gesetzt, junge Mädchen und ihr Umfeld zu stärken, um Kinderehen zu verhindern.
Von 2022 bis 2025 hat The Hunger Project Bangladesh in 56 Sekundarschulen und zahlreichen Dorfgemeinschaften Präventionsmaßnahmen durchgeführt. in den Distrikten Barishal und Tangail nahmen 2.241 Schüler*innen nahmen an Schulungen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit, zu den Folgen von Kinderheirat und zu bestehenden Schutzgesetzen und ihren Rechten teil. Für 1.350 Jungen gab es zusätzliche Formate, die zeigten, wie Kinderheirat, Belästigung, digitale Gewalt und gesellschaftlicher Druck zusammenhängen. Und welche Verantwortung die Jungen selbst übernehmen können.
Nachdem unser Projekt abgeschlossen war, verfügten 80 Prozent der Mädchen in den Projektregionen über umfassendes Wissen zu sexueller und reproduktiver Gesundheit und den Folgen von Kinderheirat. 1.100 geschulte Mädchen wurden zu Vertrauenspersonen für Betroffene. Zu Beginn unseres Projekts wandten sich nur 7 Prozent der Mädchen in den Projektregionen an eine Vertrauensperson, wenn Regeln oder Gesetze nicht eingehalten wurden. Am Ende des Projektes waren es 83 Prozent.
Im Mai 2025 reiste ich, Verena Demmelbauer, im Rahmen der Projektbetreuung nach Bangladesch. In Barishal traf ich Mädchen, die ihre eigene Heirat verhindern konnten. Diese Treffen verdeutlichten mir noch einmal, wie wichtig unsere Arbeit für diese Mädchen ist. Ein Mädchen erzählte mir, dass es durch Schulworkshops erstmals verstand, welche Folgen eine frühe Heirat für ihre Gesundheit, Bildung und Selbstbestimmung hat. Als ihre Familie eine Heirat vorbereitete, suchte sie Unterstützung bei einer Lehrerin, die durch unser Projekt darin geschult war, Kinderehen zu verhindern. Sie sprach im Anschluss mit den Eltern und die Heirat wurde abgesagt. Heute geht das Mädchen weiter zur Schule und möchte Ärztin werden. Im gesamten Projektzeitraum konnten 269 Kinderheiraten von 574 gemeldeten Fällen verhindert werden.
Die 56 beteiligten Schulen wurden zu zentralen Orten des Wandels. In jeder Schule entstanden School Youth Units, Jugendgruppen, in denen sich Schüler*innen organisieren, austauschen und Maßnahmen für sichere Schulen planen. Sie führen Aufklärungssitzungen und Kampagnen durch und setzen sich für Menstruationsprodukte an Schulen ein.
Ein besonders wirksames Instrument waren sogenannte „Risk Maps“. Schüler*innen zeichneten Karten ihrer Schulwege und markierten Orte, an denen Mädchen sich unsicher fühlen. Daraus entstanden konkrete Aktionspläne: Gespräche mit Lehrkräften, Eltern und lokalen Autoritäten, Informationsschilder, sicherere Wege und stärkere Aufmerksamkeit für Schulabbrüche.
Auch die Lernumgebung hat sich verändert. In 53 Schulen wurden Menstruationsprodukte bereitgestellt. Mädchen beteiligten sich stärker an Sport und außerschulischen Aktivitäten. In Tangail wurde erstmals ein Mädchen-Fußballturnier durchgeführt. 60 Lehrkräfte wurden zu Kinderrechten, Gesundheit und Kinderheirat geschult. Danach konnten sie Schüler*innen besser begleiten, Eltern beraten und in kritischen Fällen vermitteln.
Nicht alle Mädchen und junge Frauen besuchen eine Schule. Um auch sie zu erreichen, spielen Women Leaders eine zentrale Rolle. Women Leaders sind Frauen aus den Projektgemeinden, die als Vertrauenspersonen, Vermittlerinnen und treibende Kräfte für sozialen Wandel wirken. 58 Women Leaders führen Treffen durch, bei denen sich Mädchen, junge Mütter, Eltern und Gemeindemitglieder miteinander austauschen. Im Projektverlauf fanden über 4.000 solcher Treffen statt. Sie erreichten 68.731 Teilnehmende. Der Großteil davon, fast 50.000, waren Frauen und Mädchen.
Auch wirtschaftliche Stärkung wurde ein wichtiger Schutzfaktor. 956 junge Frauen nahmen an praktischen Trainings teil, etwa in Schneiderei, Gemüseanbau, Tierhaltung oder Handwerk. 240 Teilnehmende setzten anschließend eigene Aktivitäten um. Außerdem entstanden 203 Selbsthilfegruppen mit 4.258 Mitgliedern. Sie nutzen gemeinsame Mittel für kleine Geschäftstätigkeiten, gegenseitige Unterstützung und Investitionen in Bildung.
Ein weiterer Schlüssel waren die Village Development Teams. Diese lokalen Teams bestehen aus Frauen und Männern, religiösen Akteur*innen, Lehrkräften und lokalen Führungspersonen. Sie identifizieren gefährdete Mädchen, sprechen mit Eltern, entwickeln Aktionspläne und koordinieren Unterstützung. Im Projektverlauf fanden 1.590 Treffen dieser Teams mit 25.161 Teilnehmenden statt.






Die Zahlen zeigen Wirkung. Noch wirkungsvoller und eindrücklicher waren für mich die Stimmen der Menschen vor Ort: Mädchen, die ihre eigene Heirat verhindern. Jungen, die sich für sichere Schulwege und gegen Belästigung einsetzen. Lehrkräfte, die Mädchen und ihre Eltern dabei unterstützen Kinderheirat zu verhindern.
Kinderheirat lässt sich dort verhindern, wo Wissen, Mut, soziale Unterstützung und handlungsfähige Strukturen zusammenkommen. Genau das hat dieses Projekt aufgebaut.
Und jetzt, nach Projektende bleibt für mich das Wissen, dass unsere Arbeit nicht nur etwas bewirkt, aber langfristige positive Veränderungen anstößt. Und daher freue ich mich auf die Fortführung und 2. Phase dieses Projektes in Bangladesch, das am 1. Mai 2026 gestartet ist, um den Kampf gegen Kinderheirat weiter auszuweiten auf andere Bezirke.
Herzliche Grüße
Verena
Mehr über unsere Arbeit, aktuelle Projekte und Möglichkeiten zur Unterstützung finden Sie auf unserer Website.
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